Atemtherapie Buteyko

Atemtherapie Buteyko

Wie entstand die Buteyko-Methode?

Haben Sie im Alltag während Ihrer Tätigkeiten oder unterwegs oft den Mund geöffnet? Ist Ihnen das Gefühl, nicht genug Luft durch die Nase zu bekommen bekannt? Haben Sie manchmal ein Engegefühl in der Brust? Schnarchen Sie oder fühlt sich der Mund morgens sehr trocken an?

Wer den Mund stets offen hält, kann früher oder später mit erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen rechnen. Unser zivilisiertes Leben, geprägt von Druck, Stress, zu wenig Zeit und viel Freizeitprogramm kann einem schon einmal den Atem nehmen – oder zumindest das gesunde Atem-Muster!

Ursprünglich ist die Atem-Methode nach Dr. Konstantin P. Buteyko entstanden, um Asthma-Patienten zu behandeln. Eher durch einen Zufall kam der russische Arzt zu der Annahme, die Asthma-Anfälle hätten etwas mit dem Atemmuster zu tun. In jahrelanger Forschung entwickelte er schließlich ein einfaches Übungssystem, mit dessen Hilfe sich Asthma und viele weitere Erkrankungen wie Allergien, Schnarchen, Schlafapnoe, Einschlafstörungen, Konzentrationsstörungen und Leistungstiefs äußerst erfolgreich behandeln lassen und zwar ohne Medikamente. Buteyko griff bei seiner Atem-Methode auch Elemente aus der Atemlehre des Yoga auf und verband sie mit seinen eigenen Beobachtungen und Erkenntnissen.

Mundatmung- was passiert im Körper?

Unter Stress benötigt der Körper mehr Sauerstoff und der Sympathikus kommt auf Hochtouren. Unser Atem wird schneller und voller. Meist rutscht dann die Atmung von der Zwerchfellatmung in die Brustatmung (oder ist generell schon dort beheimatet). Das war früher auch sinnvoll, kurzer Stress, weglaufen vor dem gefährlichen Tier, dann wieder Entspannung. Heute sind wir aber oft mit Dauerstress konfrontiert, das Atem-Muster bleibt im Stressmodus, „wir können nicht mehr runterfahren“. Durch die starke Ausatmung geht zuviel Kohlendioxid verloren und durch den Mund darüber hinaus noch viel mehr als durch die Nase. Daraus resultiert ein Ungleichgewicht von Kohlendioxid und Sauerstoff. Wir denken immer, nur der Sauerstoffgehalt im Blut ist wichtig, das stimmt aber nicht. Nur wenn auch der Kohlendioxidgehalt bei 5% liegt, kann ausreichend Sauerstoff vom Blut in die Zellen transportiert (Bohr-Effekt).

Der Körper versucht schließlich, sich selbst zu helfen, indem er die Atemwege anschwellen lässt (Nase wird dicht, Brustkorb fühlt sich eng an). Dadurch entsteht das Gefühl der Atemenge und man atmet erst recht durch den Mund. Es entsteht ein Teufelskreis, den der Körper irgendwann nicht mehr ausgleichen kann. Mundatmung kann zu Infektanfälligkeiten der oberen Atemwege führen, Heuschnupfen und Asthma auslösen, Schlafapnoe und Schnarchen u.ä. begünstigen.

Manchmal ist weniger mehr. Diese Weisheit gilt in besonderem Maße für unser Atemverhalten. Hingegen der allgemeingültigen Auffassung brauchen wir nicht mehr Atem, sondern weniger! Dies ist nicht zu verwechseln mit einem tiefen Atem (Zwerchfellatmung). Tief Atmen ja, aber nicht voluminös!

Falsche Angewohnheiten

Viele Kinder kommen zu uns in die Praxis und der Mund ist die ganze Zeit offen, sie atmen durch den Mund. Oft schlafen die Kinder auch schlecht, schnarchen manchmal, haben Ringe unter den Augen und Konzentrationsstörungen. Oft hatten sie in der Anamnese wiederkehrende Erkältungen, Polypen, Ohrenprobleme etc. Eine Ursache für die permanente Mundatmung kann sein, dass nach einem Schnupfen die Mundatmung bleibt, obwohl der Infekt schon abgeklungen ist. Dieses begünstigt natürlich einen wiederkehrenden Infekt (siehe unten auch Vorteile der Nasenatmung).

Wenn die Nasenatmung nur eingeschränkt möglich ist, sollte unbedingt durch eine Untersuchung beim HNO-Arzt abgeklärt werden, welche Parameter dafür verantwortlich sind. Das Erstaunliche ist: Stellt man mit der Buteyko-Methode den Körper von der Mundatmung konsequent zur Nasenatmung um, relativieren sich zu einem hohen Grad die Symptome, welche die Nasenatmung behindert haben. Eine ruhige und ausgeglichene Nasenatmung ist ein absolutes Plus für die Gesundheit – körperlich und geistig!

Vorteile der Nasenatmung

Der wichtigste Schritt bei der Umstellung von der Mund- auf die Nasenatmung ist, sich den Wert seiner Nase vor Augen zu führen. Die Nase dient als Filter für Staubpartikel, führt der Einatemluft Stickstoffmonoxid zum Abtöten von Keimen zu, wärmt die Luft an und befeuchtet sie. Diese Eigenschaften gehen durch die Mundatmung verloren. Darüber hinaus muss der Körper sehr umständlich eingeatmete Partikel wieder ausscheiden. Dieser Vorgang dauert ca. 120 Tage. Ein enormer Aufwand, diese Energie könnten man effizienter einsetzen!

Die Qualität des Atemstroms erzeugt in den Nasenmuscheln entsprechende Reize, welche sich dann auf unseren geistigen Zustand auswirken. Das Zusammenspiel von Befinden und Atem erkennen wir deutlich bei Extremsituationen: Bekommen wir einen Schreck, wird der Atem ruckweise eingeatmet, sind wir in Trauer, atmen wir nur noch aus, verharren dort, atmen schwer wieder ein usw. Bei einer freudigen Überraschung gibt es einen vollen Einatemzug mit Pause und ein langsameres beständiges Ausatmen…… Wie auch immer die Nuancen aussehen mögen, der Unterschied der Atmung bei den verschiedenen Gemütszuständen liegt auf der Hand.

Ziel in der Buteyko-Methode ist die Wiederherstellung eines ruhigen, gleichmäßigen Atemflusses durch die Nase, denn: einem ruhigen Atem folgt ein ruhiger Geist.

Wie geht Buteyko?

Mit der Buteyko-Methode lässt sich ein gesundes Atem-Muster wiedererlangen. In Buteykos Lehre geht es um ein sukzessives Reduzieren des Atemflusses mit einer Atempause nach dem Ausatmen. Zuerst wird allein durch die Umstellung von der Mund- auf die Nasenatmung das Atemvolumen minimiert (denn die Atemwege durch die Nase sind viel enger als durch den Mund). Dadurch steigt der Kohlendioxidgehalt im Blut wieder an und es kann mehr Sauerstoff an die Zellen, vor allem auch an die Gehirnzellen, abgegeben werden.

Dann erfolgt die schrittweise Entspannung des Atems. Dadurch wird ebenfalls das Atemvolumen vermindert. Darüber hinaus trainiert man auch in anstrengenden Momenten, wie beim Sport oder Treppen steigen, den Atem anhalten zu können, ohne außer Atem zu geraten. Diese kleinen Übungen sind allesamt gut in den Alltag integrierbar und somit sehr praxisnah.

Buteyko und mykie

Was aber hat die Buteyko-Methode mit Kieferorthopädie zu tun? Ein beachtlicher Teil unserer mykie-Patienten entwickelte durch die Mundoffen-Haltung zu enge schmale Kiefer. Die Zunge liegt bei Mundatmern immer im Unterkiefer und kann damit dem Oberkiefer keinen Wachstumsimpuls geben. In unserem mykie-Behandlungskonzept arbeiten wir ursächlich, d.h. wir machen nicht nur die Kiefer breiter sondern korrigieren auch die Ursachen dahinter. Aber das ist natürlich nicht so einfach. Wenn das Kind stets den Mund offen hält, ist auch das Atemsystem durcheinander und würde sofort Alarm schlagen, wenn man das Kind aufforderte, einfach den Mund zu schließen. Die Umstellung von Mund- auf Nasenatmung sollte schrittweise erfolgen. Der Patient muss wissen, dass anfänglich der Körper mit Alarmsignalen reagieren kann, da seine Messlatte, welche Menge von Sauerstoff für den Körper normal ist, außer Balance geraten ist. Mit den Trainingsgeräten wird die Angewohnheit der falschen Zungenlage und der Mundatmung abtrainiert, mit Buteyko der gesunde Atemfluss wieder hergestellt, d.h. die Atemreduktion geschult.

Bei Kindern können wir so das zukünftige Wachstum noch in die richtige Richtung umlenken, bei älteren Jugendlichen und Erwachsenen ist das natürlich nicht mehr möglich. Aber auch hier kann die Korrektur der Zungenlage das älter werdende Gesicht positiv verändern und die Atemumstellung viele positive gesundheitliche Effekt bringen.

Verbreitung und Relevanz

Erst in den Neunziger Jahren wurde das Wissen Buteykos für die Europäer zugänglich. Die Methode ist jedoch in Deutschland noch recht unbekannt. Seit 2008 gilt die Buteyko-Methode in Großbritannien als wirksamste Komplementärmethode bei der Behandlung von Asthma. Diese Aussage sorgt dafür, dass auch unter den Ärzten und Wissenschaftlern in Deutschland die Buteyko-Methode zunehmend Akzeptanz findet. Laut der „Nationalen Versorgungsleitlinie Asthma “ (Träger: Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung und Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) wird die Buteyko-Methode als einzige atemphysiotherapeutische Methode herausgehoben, für die „in mehreren Studien ein Nutzen in Form der Reduktion von Symptomen und des Bronchodilatorenverbrauchs nachgewiesen“ wurde. Die Aussage ist mit 6 Studien belegt.